BURG WYNEGG
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Allgemeine Informationen
Kompakte Ruine auf felsigem Bergvorsprung zwischen Malans und Jenins. Die vermutlich im 13. Jhdt. gegründete Anlage wurde im 15./16. Jhdt. aufgelassen, um 1600 aber in veränderter Form neu erbaut. Gegen Ende des 18. Jhdts. ist sie endgültig zerfallen. Die Burg Wynegg liegt in der Mitte zwischen den beiden benachbarten Ruinen Neu-Aspermont und Klingenhorn.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 59' 41.00“ N, 09° 34' 12.00" E
Höhe: 752 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 762.100 / 207.050
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Im Rheintal die Autobahn A13 bei der Ausfahrt Landquart verlassen und in östlicher Richtung weiter fahren bis zum Verkehrskreisel. Weiter über Malans in Richtung Jenins. Wo die Strasse am Ortsrand von Malans den Buchwald durchquert, führt rechts ein Weg in etwa 20 Min. hinauf zur Burg. Parkmöglichkeiten an der Strasse.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab dem Bahnhof Landquart mit dem Bus bis nach Malans, Haltestelle Post. Ab Malans führt ein markierter Wanderweg in rund 30 Minuten hinauf zur Burg.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Wynegg
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 328
Historie
Die Burg Wynegg, Zentrum einer kleinen Herrschaft, wurde vermutlich im 13. Jhdt. von einer lokalen Adelsfamilie gegründet. Diese taucht mit Ritter Ludwig von Wynegg 1254 erstmals in den Urkunden auf und verschwindet mit Ulrich von Wynegg um 1270 bereits wieder aus den Schriftquellen. Die Ritter von Wynegg waren Zeugen in Rechtsgeschäften des Churer Bischofs und der Freiherren von Vaz. Der Name Wynegg deutet darauf hin, dass bereits zu jener Zeit in der Nähe der Burg, wie heute noch in der ganzen Bündner Herrschaft, Wein angebaut wurde. Ein Rebberg nahe Wynegg wird allerdings erst 1602 ausdrücklich erwähnt.

Wegen der nachmittelalterlichen Umbauten ist man über das Aussehen der ursprünglichen Burg schlecht informiert. Auf den alten Baubestand geht die Umfassungsmauer zurück, die bergseits als 2,5 Meter dicke Schildmauer ausgebaut war. Ob der ganze Baukörper ein wehrhafter Palas war oder ob sich mehrere Gebäude inwendig an die Umfassungsmauer anlehnten, ist unklar. Auf der Ostseite, gegen den Berg hin, wurde ein bereits bestehender natürlicher Graben künstlich vertieft. In dieser Senke und auf dem Plateau nordwestlich der Burg werden Nebenbauten vermutet.

Nach dem Aussterben der Herren von Wynegg gelangten Burg und Herrschaft ans Haus Vaz. Allerdings machte der Churer Bischof seine Lehnshoheit über Wynegg geltend. Johann von Vaz scheint diese zunächst anerkannt, später aber bestritten zu haben. Nach einem Schiedsspruch von 1299 hatte er zu beweisen, dass Wynegg seines Vaters und sein rechtmässiges Lehen sei. Auch nach dem Aussterben der Vazer 1337/38 bleiben die Rechtsverhältnisse zunächst unklar. Am 6. Dezember 1338 verpflichtete sich Graf Ulrich von Montfort, die Burg Wynegg seinem Onkel, Graf Friedrich V. von Toggenburg, zurückzugeben. Dieser hatte sie offenbar rechtmässig geerbt, war er doch mit Kunigunde von Vaz verheiratet. Nur fünf Tage später nahmen Friedrich und Kunigunde Wynegg vom Bischof zu Lehen.

Die Toggenburger hatten in den folgenden Jahrzehnten Wynegg zusammen mit dem Schanfigg und Davos als Churer Erbmarschälle zu Lehen. Bei einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Bischof und Graf Friedrich VII. wurde Letzterem die Burg offenbar kurzzeitig entzogen, nach einem Schiedsspruch der Stadt Zürich von 1421 aber wieder ausgehändigt. Nach dem Tod dieses letzten Toggenburgers (1436) vergab der Bischof das Lehen Wynegg 1441 an Junker Heinrich Amsler. Bald darauf scheint die Burg verlassen worden zu sein, denn 1548 wird sie als Ruine beschrieben.

Um 1600 erlebte Wynegg jedoch eine zweite Blütezeit, als Andreas von Salis auf den Trümmern der alten Burg einen dreistöckigen Neubau im Stil eines städtischen Patrizierhauses errichten liess. Über seine Tochter Margaretha kam der Wohnsitz 1602 an die Familie der Guler von Davos, die sich ab 1624 Guler von Wynegg zu nennen begannen. In einer Beschreibung von 1744 wird die einstige Burg als «ein lustiges Schlösslin» beschrieben, das «in seinem Wesen bey Tach und bewohnlich» sei. Gegen Ende des 18. Jhdt. wurde Wynegg jedoch endgültig aufgegeben und dem Zerfall überlassen. 1793 erwarb die Gemeinde Malans das «abgegangene Schloss» samt Zubehör für 2200 Gulden.

Die stark vom Zerfall bedrohte Anlage wurde in den Jahren 2016/17 baulich untersucht und gründlich saniert. Dabei zeigte sich, dass nahezu das ganze unterste Stockwerk des Hauptbaus heute mit Mauerschutt aufgefüllt ist. Der ehemalige Torbereich wurde bei den Bauarbeiten freigelegt, wobei drei Bauphasen nachgewiesen werden konnten. Im südlichen Eingangsberich stiess man zudem auf eine Bodenschicht mit prähistorischen Keramikscherben.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Alther, Yolanda Sereina - Malans, Burganlage Wynegg | In: Archäologischer Dienst Graubünden (Hg.) - Archäologie Graubünden, Bd. 3 | Chur, 2018 | S. 189-190
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 301
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 126-127
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 328-330
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 175-176
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 154-155
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 164-165
  • Poeschel Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. II: Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal | Basel, 1937 | S. 56
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 18-21
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