CHASTÈ DA SURCASTI (BURG ÜBERCASTEL)
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Allgemeine Informationen
Die Burg Surcasti steht in Spornlage über dem Zusammenfluss von Glogn (Glenner) und Valserrhein. Sie dürfte im 12. Jhdt. als Wohnsitz der Herren von Übercastel gegründet worden sein und wurde im 15. Jhdt. aufgegeben. Sehr gut erhalten ist der vierstöckige Hauptturm, der heute als Campanile der Kirche Sogn Luregn dient, die den Platz der früheren Burgkirche einnimmt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 42’ 05.35“ N, 09° 10’ 48.90" E
Höhe: 928 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 733.190 / 173.730
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Chur auf der Autobahn A13 das Rheintal aufwärts bis zur Ausfahrt Reichenau. Nun auf der Hauptstrasse 19 das Vorderrheintal hinauf über Flims bis nach Ilanz. Beim Stadtzentrum den Vorderrhein überqueren und anschliessend der Valserstrasse nach Süden dem Glogn entlang über Peiden Bogn und Uors bis nach Surcasti folgen. In der letzten Kurve vor dem Ortseingang zweigt rechts ein Feldweg ab, der leicht bergab zur Burg führt. Parkmöglichkeiten vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Regelmässige Bahnverbindung von Chur nach Ilanz. Hier umsteigen auf das Postauto (Linie 431) in Richtung Vals. Aussteigen bei der Haltestelle Uors, vitg. Anschliessend dem ausgeschilderten Wanderweg zunächst in nördlicher Richtung hinunter an den Valserrhein und auf der anderen Seite hinauf zur Burg folgen (ca. 20 Min.).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Surcasti
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 98 | überarbeitet von O. Steimann, 2020
Historie
Über die Anfänge der Burg von Surcasti besteht keine Klarheit. Bereits im Churrätischen Reichsgutsurbar aus der Zeit um 840 wird ein «Supercastellum» erwähnt – ein Ort oberhalb einer Burg. Deshalb, und weil auf dem felsigen Geländesporn über dem Zusammenfluss von Valserrhein und Glogn (Glenner) bereits früh eine Kirche gestanden haben muss, vermutete die ältere Burgenforschung hier ein rätisches Kirchenkastell. Heute wird diese These in Frage gestellt. Zwar konnte die Besiedlung des Platzes von der Bronzezeit bis zu den Römern nachgewiesen werden. Spuren einer mittelalterlichen Wehranlage, die vor das 12. Jhdt. zurückreicht, wurden bis heute jedoch keine gefunden.

Als Erbauer der hochmittelalterlichen Burg gelten die Herren von Übercastel. Sie standen in bischöflichen Diensten und waren eng verwandt mit den Herren von Castelberg und von Löwenstein. Ihre frühesten Erwähnungen gelten als unsicher. Auf einer Holzskulptur aus dem 12. Jhdt. aus dem Beinhaus von Surcasti wird ein Conradus genannt, der zur Familie gezählt haben dürfte. Ein Urbar des Churer Domkapitels nennt um 1250 eine «domina Wibirigs de Uebercastel». Im Spätmittelalter veränderten Familienangehörige ihren Namen teilweise in «Obrencastel» oder «Ober Kastel» – wahrscheinlich, um sich von ihren Verwandten auf der weiter unten im Tal gelegenen Burg Castelberg abzuheben.
Bereits 1417 ging das Chastè da Surcasti in den Besitz der Gemeinde über. Zum letzten Mal taucht ein Hartwig von Übercastel 1419 in den Urkunden auf, 1425 war die Familie erloschen. Ihr ehemaliger Wohnsitz wurde nun – mit Ausnahme des Hauptturms – dem Zerfall überlassen.

Die mittelalterliche Burg lässt sich heute nur noch bruchstückhaft erfassen. Auf der Zugangsseite gegen Südwesten wurde sie durch eine Wall- und Grabenanlage geschützt, die heute noch gut erkennbar ist. Der Zugang zum eigentlichen Burgareal wird von einem massiven Turm überragt, der im 12. Jhdt. entstanden sein dürfte. Er misst im Grundriss 9 x 8,6 Meter bei einer Mauerstärke von 2,2 Metern. Der Bau umfasst vier Stockwerke, die nur durch wenige Schartenfenster erhellt werden. Der alte Hocheingang befindet sich im dritten Geschoss auf der Nordwestseite. Ob der Turm nur als Wehrbau diente oder einst über einen hölzernen Obergaden mit Wohnräumen verfügte, ist ungeklärt. Nach der Aufgabe der Burg wurde er zum Glockenturm umfunktioniert und erhielt einen ebenerdigen Zugang. Das bestehende Dach stammt aus dem 18. Jhdt.

Nördlich an den Turm schliesst die Pfarrkirche Sogn Luregn (St. Laurentius) an. Sie ist ab 1345 bezeugt, steht aber an der Stelle einer älteren, mindestens bis ins 12. Jhdt. zurückreichenden Burgkirche. Um 1520 wurde der Sakralbau im spätgotischen Stil neu gebaut. Sein aktuelles Aussehen erhielt er im späten 18. Jhdt.
Die heute die Kirche und den angrenzenden Friedhof umfassende Mauer ist neuzeitlich. Weitere Spuren der Burganlage konnten jedoch durch Sondierungen erschlossen werden. Dies gilt insbesondere für ein grosses Gebäude am nördlichsten Ende des Geländesporns mit einem Grundriss von etwa 20 x 13 Metern und einer inneren Trennmauer. Auch auf dem Plateau südwestlich des Turms sollen 1902 Mauerspuren gefunden worden sein.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 351
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 68-69
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 98-99
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 152-153
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 247
  • Poeschel, Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. IV: Die Täler am Vorderrhein, I. Teil: Das Gebiet von Tamins bis Somvix | Basel, 1942 | S. 204-209
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 118
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, II. Teil: Bündner Oberland und Seitentäler | Basel, 1944 | S. 32-34
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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